Baumarteneignungs- und Vulnerabilitätskarten

Die FVA Baden-Württemberg hat 2019 neue Karten mit Geoinformationen zur Waldbauplanung und Waldentwicklung unter Klimawandel für die vier Hauptbaumarten Fichte, Buche, Traubeneiche und Weißtanne veröffentlicht. Die dargestellten Inhalte betreffen vorwiegend Wirtschaftswälder.

Interessieren Sie sich dafür, welche Baumarten in Ihrem Wald unter Klimawandel geeignet sind, können Sie die Baumarteneignungskarten betrachten. Interessieren Sie sich dafür, wo in Ihrem Wald die klimawandelbedingte Gefährdung der Waldbestände aktuell am größten ist, können Sie die Vulnerabilitätskarten heranziehen.

Baumarteneignungskarten sind nur für standortskartierte öffentliche Waldflächen verfügbar, Vulnerabilitätskarten für alle Waldflächen, auf denen die vier Hauptbaumarten aktuell vorkommen.

Übersicht Baumarteneignungs- und Vulnerabilitätskarten

Die klimadynamischen Baumarteneignungskarten 2.0 stufen die vier oben genannten Hauptbaumarten hinsichtlich ihrer forstlichen Anbaueignung ein – unter Berücksichtigung von zwei unterschiedlichen Szenarien des Klimawandels. Sie sind konzipiert als waldbauliche Entscheidungshilfe für die Baumartenwahl und dienen damit der langfristigen Waldentwicklungsplanung (> 10 Jahre). Die Logik ist eine Potentialbetrachtung ohne Berücksichtigung der heutigen Bestockungssituation und kann für Baumartenvergleiche „auf der grünen Wiese“ verwendet werden. Die Darstellung der klimadynamischen Baumarteneignung erfolgt in Ampelfarben abgestuft in sieben Klassen von geeignet bis ungeeignet. Die Klassenbildung entspricht damit derjenigen, die  seither schon in der Baumarteneignungsbeurteilung der forstlichen  Standortskartierung in Baden-Württemberg üblich ist.

Die Modellgeneration 2.0 ist eine methodische Weiterentwicklung der 2010 veröffentlichten Klima-Baumarteneignungskarten der FVA. Die Ausgangsbewertung beruht auch weiterhin auf den statischen Einstufungen der forstlichen Standortskartierung. Die Berechnungen der bezüglich Klimawandel dynamisierten Baumarteneignung  wurden nun von einem mono- zu einem multikriteriellen Verfahren weiterentwickelt. Das bedeutet, dass die 2010 veröffentlichte, nur auf Artverbreitungsmodellen basierende, Einschätzung der Baumarteneignung unter Klimawandel nun um die weiteren Eignungskriterien der Veränderungen von Bodenwasserhaushalt, Borkenkäferrisiko, Sturmrisiko und Wuchsleistung erweitert wurde.

Die Vulnerabilitätskarten klassifizieren die heutigen Waldbestände hinsichtlich ihrer Gefährdung durch klimawandeltypische Mortalitätsrisiken. Sie sind ein neues Produkt der Klimafolgenforschung an der FVA und dienen der kurz- und mittelfristigen Waldbauplanung (1-10 Jahre). Auf den Vulnerabilitätskarten werden besonders gefährdete Bereiche identifiziert, um Anpassungsmaßnahmen zielgerichtet hier zu beginnen und eine Reihenfolge für die Verjüngungsplanung zu ermitteln. Die Vulnerabilitätskarten sind farblich in Gelb-Brauntönen, in vier Klassen von sehr gering bis sehr hoch dargestellt. In Ergänzung zur Potentialbetrachtung der Baumarteneignungskarten sind die Vulnerabilitätskarten eine in-situ-Gefährdungsbeurteilung der heutigen Waldbestände hinsichtlich klimabedingter naturaler Risiken. Auch die Vulnerabilitätskarten sind als multikriterielles Verfahren konzipiert, sodass die klimawandelbedingte Gefährdung nicht nur anhand einzelner sondern mehrerer Risiken errechnet wird.

Das Zusammenspiel dieser zwei Karten besteht darin, dass in einem ersten Schritt die besonders gefährdeten Wälder anhand der Vulnerabilitätskarte identifiziert werden können, um in einem zweiten Schritt dann dort Waldumbau- und andere Anpassungsmaßnahmen durchzuführen. Dabei ist die Beurteilung der Baumarteneignung eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Baumartenwahl.

Die Baumarteneignungskarte wurden in einer Horizontalauflösung von 62,5 m für die mittlere (2021-2050) und ferne Zukunft (2071-2100) und für die Klimaszenarien RCP 4,5 und RCP 8,5 erstellt. Dies sind die aktuellsten Szenarien des Weltklimarats (IPCC, 2013) und stellen die mögliche zukünftige Klimaentwicklung unter verschiedenen Annahmen zur globalen Entwicklung dar. Das Szenario 8,5 ist das extremste, pessimistische und derzeit realistische Szenario, wohingegen in Szenario 4,5 ein erhebliches sofortiges Gegensteuern mit Klimaschutzmaßnahmen mit Wirkung ab Mitte des 21. Jahrhunderts angenommen wird.

Die Vulnerabilitätskarten wurden in einer Horizontalauflösung von 20 m erstellt und liegen für die heute aktuellen klimatischen Verhältnisse vor.

Die Eignungsbeurteilung anderer als der vier hier dargestellten Baumarten ist bisher noch nicht standortsspezifisch mit Geodaten abgeschlossen. Bislang liegt lediglich ein systematischer literaturbasierter Vergleich in Form der Artensteckbriefe der FVA vor. Die hier geprüften Arten wurden mithilfe einer multikriteriellen Analyse in eine Rangfolge möglicher Eignung unter Klimawandel gebracht, die jedoch erst eine nicht-standortsdifferenzierte Grobeinschätzung allgemeiner Eignung darstellt.

Die veralteten Klimakarten der Modellgeneration 1.0, die im Jahr 2010 veröffentlicht wurden, können Sie hier einsehen.

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