Ergebnisse der Waldzustandserhebung

Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung werden im jährlichen Waldzustandsbericht  ausführlich dargestellt. Die Aufnahme des systematisch angelegten Rasterstichprobennetzes lässt für Baden-Württemberg sowohl für einzelne Regionen als auch für unterschiedliche Baumarten Aussagen über den Vitalitätszustand der Bäume zu.

Aktuelle Ergebnisse (2020)

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Schlechter Vitalitätszustand der Wälder

Klimatische Veränderungen belasten und gefährden zunehmend unsere heimischen Wälder. Ausgesprochen geringe Niederschlagsmengen und hohe Lufttemperaturen ließen auch im Verlauf des Jahres 2020 die Böden vielerorts tiefgründig austrocknen, wodurch die Waldbäume unter akuten Trockenstress gerieten. Zudem breiteten sich die Fichten- und Tannenborkenkäfer wie schon in den Vorjahren massiv aus und führten so zu landesweiten Schäden in Nadelholzbeständen.

Die mittlere Kronenverlichtung der Wälder steigt im Jahr 2020 um weitere 0,7 Prozentpunkte auf 28,2 Prozent an. Aktuell wird knapp die Hälfte (46 Prozent) der Waldfläche Baden-Württembergs als deutlich geschädigt eingestuft. Ein derart hohes Schadniveau wurde seit Beginn der Waldzustandserhebung in Baden-Württemberg im Jahr 1985 noch nicht festgestellt.

Besonders bei der Fichte sind auch in diesem Jahr große Schäden durch Borkenkäferbefall entstanden. Die mittlere Kronenverlichtung der Fichte erhöht sich landesweit um 1,6 Prozentpunkte auf 25,8 Prozent – dem höchsten Wert seit Beginn der Aufnahmen. Als flachwurzelnde Baumart ist die Fichte sehr anfällig gegenüber langanhaltendem Wassermangel und leidet schnell unter Trockenstress. Im Sommer 2020 war dies unmittelbar in einem schlechten Kronenzustand sowie einer erhöhten Mortalität, vor allem infolge von Käferbefall, erkennbar.

Demgegenüber hat sich der Kronenzustand der Tanne, nach deutlicher Verschlechterung im letzten Jahr, aktuell kaum verändert. Der mittlere Nadelverlust verringert sich leicht um 0,3 Prozentpunkte auf 23,2 Prozent.

Für die Kiefer ist im vierten Jahr in Folge ein Anstieg der mittleren Kronenverlichtung auf mittlerweile 32,4 Prozent zu verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr stellt dies eine Erhöhung um 1,0 Prozentpunkte dar. Neben einer erhöhten Ausfallrate auf sandig-trockenen Standorten der Rheinebene zeigt die Kiefer während des Sommers 2020 landesweit oftmals eine frühzeitige Nadelverbraunung älterer Nadeljahrgänge und eine damit einhergehende erhöhte Kronenverlichtung.

Auch der Kronenzustand der Buche hat sich in diesem Jahr weiter verschlechtert. Der mittlere Blattverlust erhöht sich um 2,6 Prozentpunkte auf 35,2 Prozent. Bereits im August wurde, insbesondere auf flachgründigen Standorten, ein vorzeitiger Laubfall als Reaktion der Bäume auf die Trockenheit beobachtet. Zudem ist bei vielen älteren Buchen ein Absterben einzelner Äste oder ganzer Kronenpartien festzustellen, was die Vitalität der Buchen schwächt und im Wald für erhöhte Bruchgefahr sorgt. Neben akuten Auswirkungen der Trockenheit stellt die diesjährig wiederholt starke Fruktifikation der Buchen eine außergewöhnliche physiologische Belastung dar, in deren Folge deutlich lichtere Baumkronen ausgebildet wurden.

Als einzige Hauptbaumart zeigt die Eiche im Vergleich zum Vorjahr einen deutlich verbesserten Kronenzustand. Der mittlere Blattverlust verringert sich um 5,5 Prozentpunkte auf 28,5 Prozent. Hierfür spielen die vergleichsweise hohe Trockenheitstoleranz der Eichen sowie der Rückgang der Schäden durch blattfressende Schmetterlingsraupen und des Eichenmehltau-Pilz in diesem Jahr eine Rolle.

Der Zustand der Eschen bleibt weiterhin besorgniserregend. Innerhalb weniger Jahre seit dem erstmaligen Auftreten des Eschentriebsterbens im Jahr 2009 hat sich der Kronenzustand dieser Baumart deutlich verschlechtert. Der pilzliche Erreger dringt über die Blätter in den Holzkörper der Eschen ein und führt zu einem typischen Absterben einzelner Triebe, bis hin zum Absterben des ganzen Baumes. Aktuell erhöht sich der Blattverlust der Eschen um 2,2 Prozentpunkte auf 43,1 Prozent.

Mortalität und Borkenkäfer

Die starke Belastung durch Dürre und Hitze in diesem und den zurückliegenden Jahren erhöhte die Mortalitätsrate in den Wäldern Baden-Württembergs außerordentlich. Ein wesentlicher Grund hierfür ist der starke Befall durch Fichten- und Tannenborkenkäfer, die im Verlauf des Sommers 2020 wiederholt massive Schäden in den Wäldern verursachten. Während bei der Fichte die Schäden hauptsächlich auf den Buchdrucker und den Kupferstecher zurückgehen, wird die Tanne in erster Linie durch den Kleinen und den Krummzähnigen Tannenborkenkäfer geschädigt.

Im Jahr 2019 konnten sich mit Ausnahme der Hochlagen vielerorts erneut drei Borkenkäfergenerationen ausbilden, da aufgrund der langanhaltenden warm-trockenen Witterung besonders günstige Bedingungen für die Käferentwicklung herrschten. Zusammen mit den vergleichsweise milden Wintermonaten führte dies zu Beginn des Frühjahrs 2020 zu einer sehr großen Ausgangspopulation an Käfern. Verstärkend kam hinzu, dass nach dem Sturmtief "Sabine" im Februar 2020 trotz hoher Aufarbeitungsintensitäten nahezu landesweit leicht zu besiedelndes Sturmholz in den Wäldern zu finden war.

Eine überdurchschnittlich hohe Mortalität weist des Weiteren die Esche auf, da sich das Eschentriebsterben noch immer ausbreitet. Von dem pilzlichen Erreger sind mittlerweile landesweit alle Altersklassen der Eschen betroffen. Viele Eschenbestände im Land sind derzeit stark geschädigt und weisen nicht selten eine hohe Anzahl an abgestorbenen Bäumen auf.

In den letzten Jahren wird zudem in einigen Regionen Baden-Württembergs ein Absterben ganzer Kiefernbestände, vor allem auf Standorten an der Grenze ihres natürlichen Verbreitungsgebietes wie der Rheinebene, festgestellt. Die Ursachen hierfür sind neben den zunehmend milden Wintern vor allem der verbreitete Mistelbefall und Trockenstress, im Zusammenspiel mit Schadinsekten bzw. -pilzen.

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