Ergebnisse der Waldzustandserhebung

Die Ergebnisse der Waldzustandserhebung werden im jährlichen Waldzustandsbericht  ausführlich dargestellt. Die Aufnahme des systematisch angelegten Rasterstichprobennetzes lässt für Baden-Württemberg sowohl für einzelne Regionen als auch für unterschiedliche Baumarten Aussagen über den Vitalitätszustand der Bäume zu.

Aktuelle Ergebnisse (2019)

Zunehmende Kronenverlichtung bei allen Hauptbaumarten

Der Waldzustand in Baden-Württemberg ist im Jahr 2019 weiterhin stark angespannt. Nach der extremen Hitze und Dürre des Vorjahres, die zu einer weitgehenden Austrocknung vieler Waldböden und zu starken Schäden an den Bäumen führte, zeigten sich auch im Jahr 2019 erhebliche Schäden in den Wäldern. Häufig bildeten die Bäume in diesem Frühjahr auffällig kleine Nadeln bzw. Blätter aus. Als typische Symptome von Trockenstress wurden bei den diesjährigen Aufnahmen außerdem vielerorts eine frühzeitige Verfärbung und ein frühzeitiger Abwurf der Nadeln bzw. Blätter insbesondere bei Buche und Hainbuche aber auch bei Fichte festgestellt. Nicht selten wurde auch ein erhöhter Anteil an trockenen Zweigen und Ästen innerhalb der Baumkronen beobachtet.

Die mittlere Kronenverlichtung der Wälder Baden-Württembergs stieg mit 27,5 Prozent auf den bisherigen Höchststand der gesamten Aufnahmeperiode seit 1985. Gegenüber der bereits im Vorjahr angestiegenen Kronenverlichtung bedeutet dies eine weitere Erhöhung um 2,6 Prozentpunkte. Insgesamt gelten damit aktuell 43 Prozent der Waldfläche Baden-Württembergs als deutlich geschädigt.

Die hohe Belastung der Wälder durch die extreme Witterungssituation der vergangenen beiden Jahre zeigt sich im Kronenzustand aller Hauptbaumarten. Die mittlere Kronenverlichtung der Fichte erhöht sich dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 3,0 Prozentpunkte auf 24,2 Prozent. Neben reinen Trockenstresssymptomen, die sich negativ auf den Benadelungsgrad der Fichte auswirken, wird der Kronenzustand der Fichte durch den massiven Borkenkäferbefall beeinflusst.

Das trifft in diesem Jahr ebenso auf die Tanne zu, die als vergleichsweise tiefwurzelnde Baumart im vergangenen Trockenjahr 2018 noch deutlich weniger beeinträchtigt war als die flachwurzelnde Fichte. Nach dem relativ unveränderten Kronenzustand im Vorjahr zeigt die Tanne 2019 einen Anstieg der mittleren Kronenverlichtung um 4,4 Prozentpunkte auf 23,5 Prozent.

Für die Kiefer erweisen sich vor allem die trockenen und sandig-kiesigen Standorte der Oberrheinebene zunehmend als problematisch. Hier kommt es zu sehr starken Kronenschäden und flächigem Ausfall. Landesweit erhöht sich die mittlere Kronenverlichtung der Kiefer um 4,1 Prozentpunkte auf 31,4 Prozent.

Auch bei der Buche ist in diesem Sommer erneut eine Verschlechterung des Kronenzustandes zu beobachten, nachdem die Buche bereits im letzten Jahr durch intensive Fruchtausbildung und Trockenstress stark belastet war. Der mittlere Blattverlust erhöht sich gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozentpunkte auf 32,6 Prozent. Insbesondere auf flachgründigen Standorten war oftmals ein Absterben der Oberkrone und im Extremfall ein Absterben ganzer Buchengruppen zu beobachten. Bei der Eiche führte starker Blattfraß regional zu deutlich erhöhten Blattverlusten und zu einer zusätzlichen Belastung der Bäume. Vor allem in den nördlichen Landesteilen wurden z. T. erhebliche Schäden durch verschiedene Schmetterlingsraupen festgestellt. Zudem ist die Eiche trotz ihres kräftigen und tiefreichenden Wurzelwerks nicht vor Trockenstress gefeit. 2019 erhöht sich die mittlere Kronenverlichtung der Eiche um 3,8 Prozentpunkte auf 34,0 Prozent.

Die Baumart Esche steht weiterhin unter besonderer Beobachtung, da sie seit etwa zehn Jahren massiv durch den pilzlichen Erreger des Eschentriebsterbens geschädigt wird. Mittlerweile hat sich der Erreger landesweit verbreitet und bringt zahlreiche Eschenbestände zum Absterben, so dass die Mortalitätsrate der Esche weiterhin sehr hoch ist. Infolge der sehr trockenen Witterung der letzten Jahre kam es allerdings nur zu einer geringen Neuinfektion der Blätter, so dass sich die mittlere Kronenverlichtung der Eschen aktuell um 3,5 Prozentpunkte auf 40,9 Prozent verringert. Dies sollte jedoch nicht über die weiterhin hohe Gefährdung der Esche hinwegtäuschen.

Borkenkäferalarm

Die extremen Witterungsverhältnisse der letzten Jahre haben alle Waldbaumarten in ihrer Vitalität beeinträchtigt. Besonders besorgniserregend sind die aktuellen Entwicklungen aber bei den Nadelbaumarten. Aufgrund von Borkenkäferbefall sind in den Trockenjahren 2018 und 2019 enorme Schadholzmengen bei der Fichte angefallen. Die Erfahrungen aus dem „Jahrhundertsommer“ 2003 und den Folgejahren lassen erhöhte Schadholzmengen auch in den nächsten Jahren erwarten.

Die diesjährige Borkenkäferentwicklung wurde begünstigt durch die sehr guten Vermehrungsbedingungen für den Borkenkäfer im zurückliegenden Jahr, die guten Überlebenschancen im milden Winter 2018/19 sowie die vergleichsweise große Menge an geeignetem Brutraum infolge von Schnee- und Windbruch. Die kühl-feuchte Witterung in der ersten Maihälfte dieses Jahres bremste zwar kurzzeitig die Entwicklung, jedoch stieg der Schädlingsdruck auf die Waldbestände durch die ausgesprochen warm-trockene Sommerwitterung innerhalb kürzester Zeit rasant an.

Landesweit wurden Fichtenbestände von den Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher massiv befallen und stark geschädigt. Daneben trat zudem vermehrter Käferbefall an der Tanne durch den Kleinen und Krummzähnigen Tannenborkenkäfer auf. Besonders im Schwarzwald und im Schwäbisch-Fränkischen Wald sind häufig die rotscheinenden, von Käfer befallenen Tannen zu sehen. Auch bei der Tanne lassen die bisherigen Käferholzmengen des laufenden Jahres eine Steigerung der Schadholzmenge im Vergleich zum Vorjahr erwarten.

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