Rotwild in Baden-Württemberg

Rotwildvorkommen führen, aufgrund der Raum- und Nahrungsansprüche der Tierart, oftmals zu Spannungen mit den vielfältigen Interessen der Land- und Forstwirtschaft. Um diese Spannungen zu lösen, wurden im Jahr 1958 in Baden-Württemberg fünf räumlich voneinander getrennte Rotwildgebiete ausgewiesen. Außerhalb dieser Gebiete gilt ein Abschussgebot für Rotwild (Hirsche mit einem entsprechend ausgeprägten Geweih ausgenommen). Heute zeigt sich, dass die Ausweisung von Rotwildgebieten nicht mehr ausreicht um den unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansprüchen an die Tierart, wie auch den Ansprüchen des Rotwilds selbst gerecht zu werden. Die Entwicklung von Managementkonzeptionen im Nord- und Südschwarzwald geben mit Beteiligung  einer Vielzahl von Interessensgruppen wichtige Impulse und zeigen mögliche Verbesserungsansätze für das Rotwildmanagement auf regionaler Ebene auf. Zusätzlich bedarf es einer Weiterentwicklung des Rotwildmanagements auf Landesebene, um der Erhaltung von gesunden und stabilen heimischen Rotwildpopulationen gerecht zu werden. Dies soll unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, ökologischer und ökonomischer Belange sowie der Vermeidung von Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung geschehen.

Projekt

Im Rahmen der „Weiterentwicklung des Rotwildmanagements in Baden-Württemberg auf wissenschaftlichen Grundlagen“ sollen Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, welche die Diskussion um das gegenwärtige und zukünftige Rotwildmanagement in Baden-Württemberg zielführend unterstützen. Dazu werden unterschiedliche Aspekte, welche für die Weiterentwicklung des Rotwildmanagements entscheidend sind, beleuchtet.

Aufgrund der ausgewiesenen Rotwildgebiete und dem bestehenden Abschussgebot außerhalb dieser, ist die Verbreitung der Tierart in Baden-Württemberg hauptsächlich auf diese Gebiete beschränkt. Allerdings lässt sich aufgrund der räumlichen Verteilung der Abschüsse von Rotwild (siehe Wildtierbericht 2018) festhalten, dass die Art auch außerhalb der bestehenden Rotwildgebiete anzutreffen ist. Daher werden zunächst die räumliche und zeitliche Entwicklung der Rotwildpopulationen innerhalb der Rotwildgebiete sowie die Abschüsse außerhalb der Rotwildgebiete analysiert.

Alleinstehend lassen Abschussstatistiken allerdings nur bedingt Aussagen über den Populationszustand und dessen Entwicklung zu, da aus der vorhandenen Abschussstatistik z.B. keine Rückschlüsse auf die realisierte Zuwachsabschöpfung möglich sind. Daher werden die Daten aus der Jagdstatistik in Relation zu Daten gesetzt, die durch Fotofallenstudien in den Rotwildgebieten Baden-Württembergs generiert werden. Außerdem sollen die geplanten Fotofallenstudien Informationen über die relative Rotwilddichte und die Populationsstruktur (Geschlechterverhältnis, Altersverteilung) in den Rotwildgebieten liefern.

Der genetische Austausch zwischen den Rotwildgebieten Baden-Württembergs wurde von der FVA zwischen 2004 und 2007 zum ersten Mal untersucht und als vorhanden, aber mittelfristig nicht ausreichend eingestuft. Um einen auf Dauer gesunden genetischen Zustand der Rotwildpopulationen Baden-Württembergs zu gewährleisten, wird der aktuelle genetische Austausch innerhalb Baden-Württembergs und den Rotwildvorkommen angrenzender (Bundes-) Länder erneut untersucht und in Bezug zu den Ergebnissen aus 2007 gesetzt. Dabei wird auch die notwendige Vernetzung der Teilgebiete evaluiert. Die genetischen Analysen werden im Labor der FVA durchgeführt.

Die Vernetzung der Teilpopulationen in Baden-Württemberg und die damit verbundene Erweiterung des Lebensraums für Rotwild ist eine wichtige Voraussetzung für die genetische Gesundheit der Rotwildpopulationen. Daher werden über eine räumlich explizite Populationsmodellierung und eine Habitatanalyse die Vernetzung und mögliche Ausbreitung von Rotwild aus den derzeitigen Vorkommen unter Annahme verschiedener Managementszenarien simuliert und bewertet.

Über eine landesweite Lebensraumbewertung werden mögliche gesellschaftliche Risiken und Konfliktpotentiale, die mit der Ausbreitung der Rotwildpopulationen in Baden-Württemberg einhergehen können, analysiert und als Basis für spätere Entscheidungsprozesse räumlich dargestellt.

Die sozialwissenschaftlichen Ergebnisse aus dem laufenden Projekt „Rotwildkonzeption Nordschwarzwald“ sowie die Erfahrungen aus den dortigen Planungsprozessen zeigen, dass die Haltung der beteiligten Akteure sowie die Beziehungen und Kommunikation zwischen diesen eine wichtige Rolle für den Erfolg des Managements spielen. Daher wird im Projekt zur Weiterentwicklung des Rotwildmanagements die Frage beantwortet, welche organisatorischen und kommunikativen Elemente für einen gelingenden Entwicklungsprozess entscheidend sind. Außerdem wird untersucht, welche Einstellungen, Erwartungen und Herausforderungen außerhalb der Rotwildgebiete bestehen.

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