Wissenstransfer und Kommunikation

Wissenstransfer und Kommunikation zum Wolf

Dialog und fachlicher Austausch sind neben Monitoring, Herdenschutzmaßnahmen und Management die Grundlage zur Bewältigung der Herausforderungen, die mit der Rückkehr großer Beutegreifer einhergehen. Dabei kann aktuelle, neutrale und transparente Wissensvermittlung rund um den Wolf dazu beitragen, dass die Partizipation von Interessensgruppen gestärkt, ihr Handlungsspielraum vergrößert und damit demokratische Prozesse ermöglicht werden.

Die Kommunikation sowie der Wissenstransfer müssen auf eine ausgearbeitete Basis gestellt werden. Daher bedienen wir uns der Erfahrungen aus der Praxis, stehen in engem Austausch mit anderen Ländern und Bundesländern und haben ein Auge auf wissenschaftliche Themen, die Ko-Existenz und Kommunikation betreffen.

Maßnahmen in der Praxis strategisch planen

Die Kommunikation um das Wolfsmanagement muss letztlich durch ausgewählte Maßnahmen dazu beitragen können, dass alle Gesprächspartner erstens zu einem Dialog bereit und zweitens durch fachliches Wissen auch in der Lage sind, sich an einem konstruktiven Lösungsweg zu beteiligen. Darüber hinaus sind Ängste aus der breiten Öffentlichkeit ernst zu nehmen, denen nur mit weitreichendem Wissenstransfer begegnet werden kann.

Daher haben wir in Abstimmung mit dem Umweltministerium Empfehlungen zur Kommunikation rund um das Thema Wolf entwickelt.

Das dahinterliegene Gesamtkonzept zur Kommunikation umspannt die gemeinsame Sichtweise aller Beteiligten zum Umgang mit Wölfen bis hin zur einzelnen Maßnahme. Die „Corporate Identity“ (das Erscheinungsbild oder auch Selbstverständnis) und die darunter gegliederten Ziele sind die Eckpunkte der Kommunikationsarbeit, die einzelnen Maßnahmen dagegen sind flexibel und können aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. Die Empfehlungen zur Kommunikation wird durch das Umweltministerium Baden-Württemberg und durch die FVA umgesetzt.

Informationen sollen einerseits Beteiligten die Möglichkeit verschaffen, einen Handlungsspielraum zu besitzen und einen Diskurs auf Augenhöhe zu führen. So haben wir bereits mehrere Faltblätter mit Grundinformation und Ablaufschematazu Monitoring und Herdenschutz entwickelt. Andererseits kann durch eine ausgebaute Wissensvermittlung auf die Sorgen und Ängste der breiten Bevölkerung eingegangen werden, sodass die Wiederkehr des Wolfes und seine Aktivitäten realistisch eingeordnet werden können. In verschiedenen Fachvorträgen, sowohl virtuell als auch vor Ort, informieren bereits über den Wolf und unsere Aufgaben. Außerdem informieren wir in der Herdenschutzberatung Tierhaltende zu wolfsabweisenden Möglichkeiten.

Auf Transparenz legen wir besonderen Wert, sodass auch langfristig das Vertrauen in Verwaltungs- und Regierungsvertreter gestärkt wird. Wir veröffentlichen Monitoringergebnisse daher zeitnah und informieren die Beteiligten persönlich. Über unsere Monitoring- und Herdenschutztelefonnummer sind wir ebenfalls zu verschiedensten Anlässen erreichbar. Außerdem investieren wir in eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Presse, damit dort für das Thema Wolf sensilibisiert wird. Unser Ziel ist es, proaktiv zu handeln: einerseits durch die Pflege von persönlichen Kontakten zu Pressevertretern, sodass in Zukunft nicht nur bei Negativereignissen berichtet wird. Andererseits stellen wir Informationen für Pressevertreter bereit: eine erste Handreichung haben wir bereits in Form eines Pressekits veröffentlicht.

Desweiteren wollen wir das Thema Wolf für alle Zielgruppen greifbar machen und passgenau aufarbeiten: so konnten wir aktuelle Informationen zu Luchs und Wolf in Baden-Württemberg bereits in verschiedenen Verbandszeitschriften veröffentlichen und möchten das Thema Wolf außerdem in pädagogischen Einrichtungen integrieren.

Für den Austausch von Theorie- und Praxiswissen sowie zur Bearbeitung von Interessenskonflikten ist es essenziell, Netzwerke zu bilden. Hier unterstützen wir sowohl die Kommunikation in überregionalen Netzwerken wie der AG Luchs und Wolf durch unsere fachliche Expertise, als auch regionale Strukturen auf Verwaltungs- und Verbandsvertreterebene.

Deshalb steht die FVA als Moderatorin zum Wissenstransfer und in Konfliktsituationen zur Verfügung, bietetInformations- und Fachveranstaltungen an und stellt damit eine sachliche Gesprächsatmosphäre für Beteiligte zur Verfügung. In vergangenen FVA-Projekten wurden bereits gute Grundlagen mit beteiligten Verbänden und Verwaltungen zur Kommunikation erarbeitet. Mit dem Forum Großraubtiere wurden Netzwerkstrukturen modellhaft entwickelt und in diesem gemeinsam Lösungswege zu relevanten Themen erarbeitet. In den Jahren 2020 und 2021 konnten wir außerdem die Behörden der Landkreise in den Fördergebieten Schwarzwald und Odenwald zusammenbringen. Hier boten wir einerseits eine Plattform zum Austausch und befragten zur Aufgabenverteilung und zu bestehenden Netzwerken. Zusammenfassend stellen wir allen Interessierten Empfehlungen für gute Netzwerke auf Landkreisebene zur Verfügung.

Ein weiterer Fokus unserer Arbeit ist die Aufstellung und Weiterbildung von Multiplikatoren, die ihre Kompetenzen anschließend auf die Fläche bringen. Hier sind wir mit Schlüsselpersonen der Landkreise, wie zum Beispiel den Wildtierbeauftragten, in engem Kontakt. Für sie bieten wir Fortbildungen im Bereich Monitoring, Herdenschutz und Kommunikation an.

Fortbildungen

Der Arbeitsbereich Luchs und Wolf bietet für Fachpersonen (z.B. Wildtierbeauftragte, Fachberatende) folgende Schulungen an:

  • Herdenschutz
  • Fährtenschulung
  • Rissschulung
  • Kommunikationsschulung

Hier geht’s zum Fortbildungsangebot der FVA

Eine weitere wichtige Säule ist die wissenschaftliche Untermauerung unserer Arbeit.

Hier vernetzen wir uns bundesweit sowie international mit weiteren Institutionen und tauschen Kenntnisse, Produkte und Erfahrungen aus.

Auch intern bestehen zahlreiche wissenschaftliche Projekte zu aktuellen Themen rund um den Wolf, deren Ergebnisse fortlaufend veröffentlicht werden. Neben diesen praxisnahen, naturwissenschaftlichen Projekten widmen wir uns sozialwissenschaftlichen Themen wie der Aufarbeitung des sozialen Konfliktes zwischen den Interessensgruppen. Dieses Wissen können wir einerseits an verschiedene Zielgruppen herantragen, andererseits können wir genauer bestimmen, welcher Bedarf noch besteht und wie Kommunikation – extern und intern – zwischen allen Beteiligten erfolgreich gestaltet werden kann. Anreichernd leiten wir Handlungsempfehlungen ab, beispielsweise zum Umgang mit Fake-News, Empfehlungen zur Kommunikation oder zum Aufbau von regionalen Netzwerken.

Kontakt Wissenstransfer & Kommunikation

Bei Interesse an einem fachlichen Input können Sie uns gerne als ReferentIn anfragen!

Links zu Projekten und weiterführender Literatur

  • Projekte des Arbeitsbereiches Luchs & Wolf
  • Eurolargecarnivores: europaweites Projekt zu Ko-Existenz (Website)
  • Transfer- und Kommunikationsprojekt (abgeschlossen)
  • Heurich, M. (2019): Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft (Link)
  • Hunziker, M., Hoffmann, C. W., & Wild-Eck, S. (2001). Die Akzeptanz von Wolf, Luchs und «Stadtfuchs»–Ergebnisse einer gesamtschweizerisch-repräsentativen Umfrage. Forest Snow and Landscape Research, 76(1/2), 301-326. (PDF)
  • Lüchtrath, A. (2011): Bewertung von Bestrebungen zum Schutz großer Beutegreifer durch betroffene Bevölkerungsgruppen am Beispiel des Luchses (PDF)
  • Stauder, J., Omizzolo, A., Streifeneder, T. P., & Favilli, F. (2019). Erhebung der Einstellung von Einheimischen und Touristen zur Rückkehr des Wolfes nach Südtirol. (PDF)
  • Arbieu, U., Mehring, M., Bunnefeld, N., Kaczensky, P., Reinhardt, I., Ansorge, H., & Müller, T. (2019). Attitudes towards returning wolves (Canis lupus) in Germany: Exposure, information sources and trust matter. Biological Conservation, 234, 202-210. (PDF)
  • Dickman, A. J. (2010). Complexities of conflict: the importance of considering social factors for effectively resolving human–wildlife conflict. Animal conservation, 13(5), 458-466. (PDF)
  • Glikman, J. A., Vaske, J. J., Bath, A. J., Ciucci, P., & Boitani, L. (2012). Residents’ support for wolf and bear conservation: the moderating influence of knowledge. European Journal of Wildlife Research, 58(1), 295-302. (PDF)
  • Jacobs, M. H., Vaske, J. J., Dubois, S., & Fehres, P. (2014). More than fear: Role of emotions in acceptability of lethal control of wolves. European Journal of Wildlife Research, 60(4), 589-598. (PDF)
  • Johansson, M., Sandström, C., Pedersen, E., & Ericsson, G. (2016). Factors governing human fear of wolves: moderating effects of geographical location and standpoint on protected nature. European Journal of Wildlife Research, 62(6), 749-760.(PDF)
  • Jürgens, U. M., & Hackett, P. M. (2017). The big bad wolf: the formation of a stereotype. Ecopsychology, 9(1), 33-43. (PDF)
  • Linnell, J., Andersen, R., Andersone, Z., Balciauskas, L., Blanco, J. C., Boitani, L., ... & Wabakken, P. (2002). The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans. (PDF)
  • Randler, C., Wagner, A., Rögele, A., Hummel, E., & Tomažič, I. (2020). Attitudes toward and Knowledge about Wolves in SW German Secondary School Pupils from within and outside an Area Occupied by Wolves (Canis lupus). Animals, 10(4), 607. (PDF)
  • Slagle, K. M., Bruskotter, J. T., & Wilson, R. S. (2012). The role of affect in public support and opposition to wolf management. Human Dimensions of Wildlife, 17(1), 44-57. (PDF)

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