Wirksamkeit von Wildwarnanlagen

Wildwarnanlagen können in dynamische und statische System unterteilt werden. Dynamische Anlagen detektieren Wildtiere am Straßenrand und warnen den Verkehrsteilnehmenden, während statische Anlagen Geschwindigkeitsüberschreitungen von vorbeifahrenden Fahrzeugen erfassen und darauf basierend eine Wildunfallwarnung abgeben. Statische Anlagen zeigen somit keine realen Wildtierereignisse im Straßenraum an. Stand Dezember 2022 befinden sich neun installierte Anlagen im Bundesgebiet. Davon sind fünf Anlagen dynamisch, drei statisch und eine ist eine Hybridanlage. Die sechs Anlagen befinden sich in Baden-Württemberg (Aglasterhausen B292), Nordrhein-Westfahlen (Schermbeck B224, Kleve L484, Kleve B504), Sachsen-Anhalt (Stapelburg L85) und Schleswig-Holstein (Rastorfer Kreuz B202).

Das Projekt untersuchte die Wirksamkeit von insgesamt sechs, zum damaligen Zeitpunkt, funktionstüchtige Anlagen für die Eignung als Wildunfallpräventionsmaßnahme im Straßenbetrieb nach folgenden Faktoren:

  1. der ökologischen Wirkung
  2. der technischen Funktion
  3. der Auswirkung auf das Fahrverhalten
  4. der Kosten

Die ökologische Wirkung wurde an den lokal vorkommenden Wildtierarten, der Häufigkeit und dem Tierverhalten beim Einwechseln in die Anlage überprüft. Zusätzlich wurde eine Umfeldanalyse durchgeführt, um Verteilung von Landschaftstypen im Umfeld der Wildwarnanlage zu beziffern. Die technische Funktion wurde anhand der Auslösezuverlässigkeit einer Wildwarnanlage ermittelt, das heißt, wie zuverlässig Wildtiere tatsächlich von den Sensoren in einer Wildwarnanlage erkannt wurden, und wie oft die Wildwarnanlage ausgelöst hat, ohne dass sich Wildtiere im Querungsbereich befanden (Fehlauslösungen). Das Fahrverhalten setzte sich zusammen aus der täglichen Verkehrsdichte und dem Vergleich der Fahrtgeschwindigkeit zwischen ausgelöster und nicht ausgelöster Wildwarnanlage. Die Kosten wurden auf Grundlage der Installationskosten und des Betreuungsaufwands eingestuft.

Methodik

Um die Wirksamkeit von Wildwarnanlagen bewerten zu können, kamen verschiedene Methoden zur Erfassung von wissenschaftlichen Daten zum Wildtier- und Fahrverhalten zur Anwendung. Zum einen wurden Fotofallen installiert, die das Vorkommen und die Anzahl an Wildtier-Ereignissen im Anlagenbereich ermittelten. Zusätzlich wurden Wärmebildkameras im Querungsbereich eingesetzt, welche das Verhalten von Wildtieren im Querungsbereich aufzeichneten. Verkehrszählgeräte vor, in, und nach einer WWA lieferten Informationen über die tägliche Anzahl an Fahrzeugen, welche die Wildwarnanlage passierten und deren Fahrzeuggeschwindigkeit. Um zu ermitteln, wie zuverlässig die Sensoren im Querungsbereich einer Anlage Wildtiere detektierten, wurden die Anlagen-spezifischen Loggerdaten, welche Auskunft über den Auslösungsstatus einer WWA geben, mit den erfassten Wildtierereignissen auf den Fotofallen und Wärmebildkameras verglichen.

Ergebnisse

Generell wird empfohlen, dynamische und statische Anlagen aufgrund ihrer unterschiedlichen Funktionsweise differenziert voneinander betrachtet werden. Fazit der Untersuchung ist, dass sich derzeit keine der untersuchten Anlagen in einem günstigen, funktionalen Zustand befindet. Dennoch können Wildwarnanlagen unter bestimmten Rahmenbedingungen eine effiziente Maßnahme in der Wildunfallprävention darstellen.

Die Untersuchungen deckt erhebliche Wissenslücken zum Einsatz und der Wirksamkeit von Wildwarnanlagen zur Reduktion von Wildunfällen auf. Derzeit gibt es weder national noch international einen Leitfaden zur Einrichtung von Wildwarnanlagen, in dem die wesentlichen Rahmenbedingungen und bewährte technische Ausstattung zusammengestellt sind. Es wird empfohlen, durch weitere Untersuchungen und technische Erprobungen bestehende Wissenslücken zu schließen und einen Standard zur Anlage von Wildwarnanlagen zu erarbeiten.

Einblicke

Einblicke in die detektierten Wildtierarten und deren Verhalten finden Sie hier (zum Vergrößern anklicken).

Im folgenden Video ist eine wildunfallgefährdende Situation, beziehungsweise ein "beinahe-Unfall" zwischen einem Dachs und einem Kraftfahrzeug zu sehen.

weitere Informationen zum Projekt

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