Herdenschutz

Der Begriff Herdenschutz weckt viele verschiedene Assoziationen. Er benennt verschiedenste Methoden, um Nutztierherden vor Beutegreifern zu schützen. Darunter fallen über Jahrhunderte bewährte, traditionelle Methoden, wie die Behirtung oder der Einsatz von Herdenschutzhunden, sowie neuere technische Anwendungen, wie der Aufbau von Elektrozäunen oder der Einsatz von kurzfristig abschreckenden Maßnahmen.

Auch wenn es einen 100% igen Herdenschutz nicht gibt, können durch standortangepasste Maßnahmen das Risiko eines Übergriffs von Wölfen oder auch von Luchsen auf Nutztiere reduziert werden.
Diese werden in verschiedenen Projekten im In- und Ausland getestet und weiterentwickelt. Die Erkenntnisse aus der Wissenschaft und aus dem Austausch mit den Kollegen anderer Länder sowie Diskussionspunkte aus der Praxis werden an der FVA gebündelt und weitergegeben.

Auf der Seite des Umweltministeriums finden Sie detaillierte Informationen und Empfehlungen zu Herdenschutzmaßnahmen.

Nutztierrisse mit Luchs- oder Wolfsverdacht können beim zuständigen WTB oder jederzeit (auch am Wochenende) an das Luchs- und Wolfsmonitoring der FVA gemeldet werden. Sehr hilfreich zur raschen Erfassung der Situation sind dabei Bilder der verletzten Tiere.

Nutztierriss melden

Nutztierrisse

  • Informieren Sie bei verletzten Tieren bitte sofort einen Tierarzt.
  • Informieren Sie den zuständigen Wildtierbeauftragten oder das Luchs- und Wolfsmonitoring der FVA.
  • Die Wunden sollten erst gesäubert werden, wenn ein DNA-Abstrich gemacht werden konnte.
  • Bei Tieren, die aufgrund schwerer Verletzungen eingeschläfert werden müssen, bitte wir dies aus Tierwohl-Gründen sofort zu tun, ohne Absprache mit der FVA.
  • Falls es die Situation zulässt, ist es hilfreich, wenn Sie Fotos von der Situation und der Lage der verletzten Tiere auf der Fläche zu machen.
  • In Rücksprache mit der FVA sollte die Herde spätestens zum Abend in Sicherheit gebracht werden, und entweder im Stall oder auf einer eingezäunten Weide mit entsprechendem Basisschutz eingezäunt werden. Die FVA stellt hierfür auf Anfrage ein Notfall-Zaunset zur Verfügung.
  • Ansonsten bitten wir, die Situation und den „Tatort“ weitestgehend unverändert zu lassen bis der zuständige Wildtierbeauftragte und/oder die FVA eintrifft.
  • Bitte achten Sie unbedingt darauf, dass keine Hunde auf die Weide oder an die toten Tierkörper gehen, damit die toten oder verletzten Tierkörper nicht durch die DNA der eigenen Hunde kontaminiert werden.

 

An der FVA werden Notfallzaunsets für den Einsatz an Schaf- oder Ziegenherden gelagert, falls eine betroffene oder benachbarte Nutztierherde nach einem Wolfsübergriff schnell geschützt werden muss.

Ein Notfallzaunset besteht aus 10 Weidenetzen (Höhe 105 cm) und dem benötigten Zubehör. Die Leihdauer beträgt i.d.R. 14 Tage.

Auch Foxlights oder Flatterband können für eine rasche Aufrüstung bestehender Zäune verliehen werden.

Zuständig für den Bereich Herdenschutz ist Laura Huber-Eustachi. Unterstützt wird sie von Dr. Micha Herdtfelder und Frank Lamprecht.

Die Fragestellungen zum Herdenschutz an der FVA haben ihren Schwerpunkt auf dem Schutz von Schafen, Ziegen und Gatterwild vor dem Wolf.

Die Bearbeitung dieses Themas fußt auf drei verschiedenen Säulen. Erstens gehört dazu der Austausch mit Menschen und Projekten aus dem In- und Ausland, die Fragestellungen zum Thema Herdenschutz begleiten und erforschen. Ein Beispiel hierfür ist die Mitarbeit der FVA am internationalen Magazin „Carnivore Damage Prevention News“.

Ein weitere wichtige Grundlage bildet die Forschung. Es werden wissenschaftliche Projekte begleitet und praxisorientierte Ansätze verfolgt, bei denen neue und alte Methoden des Herdenschutzes evaluiert werden und das Verhalten von Wölfen und anderen Wildtieren diesbezüglich weiter erforscht werden sollen. Beispielhaft hierfür ist das in Kooperation mit AGRIDEA durchgeführte Projekt zur Erforschung des Verhaltens von Wölfen gegenüber Zäunen, oder die wissenschaftliche Begleitung des Projektes Herdenschutz BW von Landesschafzuchtverband und NABU.

Das dritte Standbein des Bereichs bildet der Austausch mit den Anwendern und Anwenderinnen in Baden-Württemberg. Neben der Weitergabe von Informationen rund um den Herdenschutz in Form von Publikationen, Gesprächen und Vorträgen werden praktische Kurse gemeinsam mit Verbänden und Behörden organisiert.

Bei der Herdenschutzberatung werden die verschiedenen Möglichkeiten abgewogen und die praktische Umsetzung unterstützt, mit dem Ziel, die für die Anwender effektivste Methode des Herdenschutzes zu finden.

 

Das Umweltministerium hat im Mai 2018 im Nordschwarzwald die "Förderkulisse Wolfsprävention" ausgewiesen. Grund dafür ist ein dort sesshaft gewordener Wolf, der sich seit Ende 2017 im Nordschwarzwald aufhält. Um bei einem Wolf von einem residenten Tier auszugehen, muss seine Anwesenheit über 6 Monate nachgewiesen werden, z.B. durch Losungsfunde, Risse, oder Fotofallenbilder. Auf der Grundlage dieser sicheren Nachweise wurde der Mittelpunkt des wahrscheinlichen Reviers des Wolfsrüden ermittelt. Alle Gemeinden, die in einem 30-Kilometer-Radius um diesen Mittelpunkt liegen, zählen zur Förderkulisse. Insgesamt umfasst die Förderkulisse damit ein 3.700 Quadratkilometer großes Gebiet. Bei Bedarf kann die Förderkulisse räumlich angepasst werden.

Ziel der umfangreichen Förderung ist es, mögliche Angriffe von Wölfen auf Nutztiere mit geeigneten Maßnahmen zu verhindern. Dazu soll möglichst zügig in der gesamten Förderkulisse ein sachgerechter Herdenschutz umgesetzt werden. Zum einen damit eine Koexistenz von Großraubtieren und Nutztieren möglich ist, und zum anderen, damit der Wolf nicht lernt, dass Weidetiere eine einfache Beute sind.

In der "Förderkulisse Wolfsprävention" übernimmt das Land 90 Prozent der Kosten, die für Schaf-, Ziegen,- und Gehegewildhalter bei der Anschaffung von Materialien für Herdenschutzmaßnahmen entstehen. Hierzu zählen unter anderem  geeignete Elektrozäune und Weidezaungeräte, Festzäune mit Untergrabungsschutz, und je nach Größe des Betriebs auch die Anschaffung und den Unterhalt von Herdenschutzhunden.

Für die Bewilligung, Auszahlung und Abrechnung der Zuwendungen ist die Untere Naturschutzbehörde zuständig. Kontaktieren Sie hierzu das Landratsamt Ihres Landkreises.

Achtung! Die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen gilt nur für Gemeinden, die in der Förderkulisse liegen.

Herdenschutz hat viele Varianten und Facetten. Alle Akteure, die damit zu tun haben, sollen Zugriff auf Informationen über die Bandbreite und die besten Anwendungsmöglichkeiten erhalten.
Das Angebot der FVA hierzu wird derzeit gemeinsam mit dem Wissenstransfer der FVA ausgebaut.

 

  • Sie erreichen uns per Mail oder Telefonisch unter dem angegebenen Kontakt.
  • Wenn Sie die Herdenschutzberatung nicht direkt erreichen, wird Ihr Anliegen notiert, und Sie werden zurück gerufen.
  • Es findet in der Regel zuerst eine telefonische Beratung statt. Wenn es sinnvoll ist, wird eine Vor-Ort-Beratung vereinbart. Es wird ein Protokoll angefertigt, welches Ihnen im Nachgang, oft in Ergänzung mit weiterem Infomaterial, zur Verfügung gestellt wird

 

Der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Behörden und Verbänden ist für die Unterstützung der Tierhalter unerlässlich. Sie können die FVA gerne für einen fachlichen Input zum Thema Herdenschutz bei Terminen Ihrer Behörde anfragen.

Für fachliche Fragen können Sie uns jederzeit hinzuziehen.

In vielen Fällen reichen die Allgemeinen Informationen, die auf der Seite des Umweltministeriums zusammengefasst sind.

Generelle Hinweise für Nutztierhaltende finden Sie auf dem Webauftritt des Umweltministeriums.

Detaillierte Empfehlungen zur Umsetzung finden Sie hier zum Download.

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