Herdenschutz

Der Begriff Herdenschutz weckt viele verschiedene Assoziationen. Er benennt verschiedenste Methoden, um Nutztierherden vor Beutegreifern zu schützen. Darunter fallen über Jahrhunderte bewährte, traditionelle Methoden, wie die Behirtung oder der Einsatz von Herdenschutzhunden, sowie neuere technische Anwendungen, wie der Aufbau von Elektrozäunen oder der Einsatz von kurzfristig abschreckenden Maßnahmen.

Mit Hilfe dieser verschiedenen Maßnahmen können Weidetiere effektiv vor Wolfsübergriffen geschützt werden.

In Baden-Württemberg liegt der Fokus hierbei auf dem Schutz von Schafen, Ziegen und Gatterwild vor dem Wolf.

Ansprechpersonen Herdenschutz

Zuständig für den Bereich Herdenschutz ist Laura Huber-Eustachi. Unterstützt wird sie von Dr. Micha Herdtfelder und Frank Lamprecht.

Die FVA bietet eine fachliche Beratung für den wolfsabweisenden Schutz von Schafen, Ziegen und Gatterwild. Vor allem bei Herausforderungen, bei denen die grundlegenden Informationen nicht ausreichen, macht eine Beratung Sinn. Für die Förderung und die Antragsstellung kontaktieren Sie bitte die Untere Naturschutzbehörde Ihres Landlkreises.

Auf der Seite des Umweltministeriums finden Sie detaillierte Informationen und Empfehlungen zu Herdenschutzmaßnahmen.

Für Nutztiere, die nachweislich durch einen Luchs oder Wolf getötet wurden, werden in Baden-Württemberg Ausgleichszahlungen bezahlt. Voraussetzung hierfür ist eine Bestätigung im Rahmen des landesweiten Monitoring. Dazu müssen Risse mit Luchs- oder Wolfsverdacht unverzüglich beim zuständigen Wildtierbeauftragten oder jederzeit (auch am Wochenende) an das Luchs- und Wolfsmonitoring der FVA gemeldet werden.

Nutztierriss melden

  • Informieren Sie unverzüglich den zuständigen Wildtierbeauftragten oder das Luchs- und Wolfsmonitoring der FVA (s. oben).
  • Informieren Sie bei verletzten Tieren bitte zusätzlich einen Tierarzt. Vor der Reinigung der Wunden sollte möglichst ein DNA- Abstrich genommen werden.
  • Falls es die Situation zulässt, ist es hilfreich, wenn Sie Fotos von der Situation und der Lage der verletzten Tiere auf der Fläche machen und diese an die FVA weiterleiten.
  • Ansonsten bitten wir, die Situation und den „Tatort“ weitestgehend unverändert zu lassen bis der zuständige Wildtierbeauftragte und/oder die FVA eintrifft.
  • Bitte achten Sie unbedingt darauf, dass keine Hunde auf die Weide oder an die toten Tierkörper gehen, damit die toten oder verletzten Tierkörper nicht durch die DNA der eigenen Hunde kontaminiert werden.
  • Die FVA oder eine von ihr beauftragte Person begutachtet das Rissereignis und nimmt, sofern erforderlich, auch Proben zur genetischen Untersuchung. Die Kosten dafür trägt – unabhängig vom Ergebnis – das Land. Auf Wunsch übergibt die FVA auch eine Probe an den Tierhaltenden.
  • Die FVA informiert die Tierhaltenden über die weiteren Schritte und Informationswege.
  • Die FVA oder eine von ihr beauftragte Person prüft zusammen mit dem Tierhaltenden und gegebenenfalls Vertreterinnen oder Vertretern des Nutztierhalterverbands die ergriffenen Herdenschutzmaßnahmen und stellt abschließend fest, ob der wolfsabweisende Grundschutz gegeben war. Dies ist innerhalb einer Förderkulisse Wolfsprävention von Relevanz für die Ausgleichszahlung.
  • In Rücksprache mit der FVA sollte die Herde spätestens zum Abend in Sicherheit gebracht werden, und entweder im Stall oder auf einer eingezäunten Weide mit entsprechendem Grundschutz eingezäunt werden. Die FVA stellt hierfür auf Anfrage ein Notfall-Zaunset zur Verfügung.
  • Sofern der Riss auf einen Wolf zurückzuführen ist, schickt die FVA dem Tierhaltenden eine Bestätigung (Vordruck „Ausgleichszahlung Wolf“), die dieser zur Antragstellung einreichen kann.

 

An der FVA werden Notfallzaunsets für den Einsatz an Schaf- oder Ziegenherden gelagert, falls eine betroffene oder benachbarte Nutztierherde nach einem Wolfsübergriff schnell geschützt werden muss.

Ein Notfallzaunset besteht aus 10 Weidenetzen (Höhe 105 cm) und dem benötigten Zubehör. Die Leihdauer beträgt i.d.R. 14 Tage.

Auch Foxlights oder Flatterband können für eine rasche Aufrüstung bestehender Zäune verliehen werden.

Herdenschutz hat viele Varianten und Facetten. Alle Akteure, die damit zu tun haben, sollen Zugriff auf Informationen über die Bandbreite und die besten Anwendungsmöglichkeiten erhalten.
Das Angebot der FVA hierzu wird derzeit gemeinsam mit dem Wissenstransfer der FVA ausgebaut.

Aktuell beinhaltet die Herdenschutzberatung:

 

Um unter den verschiedenen Möglichkeiten des Herdenschutzes die auszuwählen, welche sich am einfachsten in Ihren Betrieb integrieren lässt, bietet die FVA die Herdenschutzberatung an. Abhängig davon, mit welchen Nutztieren welche Flächen bewirtschaftet werden, mit welchen Zaunvarianten (bisher) gearbeitet wird und welche Besonderheiten das Gelände aufweist, kann ein Gespräch und gegebenenfalls ein Vor- Ort- Termin Sie dabei unterstützen, für sich die beste Lösung zu finden.

  • Sie erreichen uns per Mail oder Telefonisch unter dem angegebenen Kontakt.
  • Es findet in der Regel zuerst eine telefonische Beratung statt. Wenn es sinnvoll ist, wird eine Vor-Ort-Beratung vereinbart. Es wird ein Protokoll angefertigt, welches Ihnen im Nachgang, oft in Ergänzung mit weiterem Infomaterial, zur Verfügung gestellt wird.
  • Zuständig für die Förderung sind die Unteren Naturschutzbehörden des jeweiligen Landkreises.

 

Der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Behörden und Verbänden sind für die Unterstützung der Tierhaltenden unerlässlich. Die FVA kann für fachliche Fragen, zum Beispiel bei Sitzungen oder Vortragsveranstaltungen, hinzugezogen werden.

Ein funktionierender Herdenschutz enthält verschiedene Aspekte, mit denen sich die Herdenschutzberatung auseinandersetzt.

Die Bearbeitung dieses Themas fußt auf drei Säulen. Die erste Säule bildet den Austausch mit Menschen und Projekten aus dem In- und Ausland, die Fragestellungen zum Thema Herdenschutz begleiten und erforschen. Ein Beispiel hierfür ist die Mitarbeit der FVA am internationalen Magazin „Carnivore Damage Prevention News“.

Die zweite Säule bildet die Forschung. Es werden wissenschaftliche Projekte begleitet und praxisorientierte Ansätze verfolgt, bei denen neue und alte Methoden des Herdenschutzes evaluiert werden und das Verhalten von Wölfen und anderen Wildtieren diesbezüglich weiter erforscht werden sollen. Beispielhaft hierfür ist das in Kooperation mit AGRIDEA durchgeführte Projekt zur Erforschung des Verhaltens von Wölfen gegenüber Zäunen, oder die wissenschaftliche Begleitung des Projektes Herdenschutz BW von Landesschafzuchtverband und NABU.

Die dritte Säule stellt den Austausch mit den Anwendern und Anwenderinnen in Baden-Württemberg dar. Neben der Weitergabe von Informationen rund um den Herdenschutz in Form von Publikationen, Gesprächen und Vorträgen werden praktische Kurse gemeinsam mit Verbänden und Behörden organisiert. Bei der Herdenschutzberatung werden beispielsweise die verschiedenen Möglichkeiten für den jeweiligen Betrieb abgewogen und die praktische Umsetzung unterstützt, mit dem Ziel, die für die Anwender effektivste Methode des Herdenschutzes zu finden.

 

Nachdem im Frühjahr 2018 der Wolfsrüde GW852m im Nordschwarzwald als territoriales Tier bestätigt wurde, hat das Umweltministerium dort ein Fördergebiet Wolfsprävention ausgewiesen. Als territorial gilt ein Wolf gemäß der Kriterien zum „Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland“ (Reinhardt et al. 2015), wenn er ein halbes Jahr nach dem ersten genetischen Nachweis erneut in einer Region nachgewiesen wird. Mit dem neuen Förderschreiben vom Juli 2020 wird innerhalb eines Fördergebiets Wolfsprävention die Förderung auf bis zu 100 Prozent der Materialkosten erhöht und zusätzlich werden auch die Erstellungskosten anteilig übernommen. Alle Inhalte des Förderschreibens finden sie hier

Nachdem im Juni 2020 der zweite Wolfsrüde GW1129m im Land als territoriales Tier bestätigt wurde, hat das Umweltministerium ein neues umfassendes Fördergebiet Wolfsprävention Schwarzwald ausgewiesen, das sich grundsätzlich am Naturraum Schwarzwald orientiert. Das neue Gebiet hat eine Größe von etwa 8800 Quadratkilometern. Die genaue Gebietsabgrenzung sowie die in dem Gebiet liegenden Städte und Gemeinden sind in einer Übersichtskarte dargestellt und finden sich auch auf der Seite des Umweltministeriums.

In den neu hinzugekommenen Teilen des Fördergebietes gilt eine Übergangsfrist von einem Jahr. Nach Ablauf dieser Frist ist die Umsetzung eines wolfsabweisenden Grundschutzes bei den Nutztierarten Schafe, Ziegen und landwirtschaftlich gehaltenes Gehegewild Voraussetzung für eine Ausgleichszahlung im Schadensfall. Die Förderung für wolfsabweisende Zäunung besteht auch nach Ablauf des ersten Jahres fort.

Weitere Informationen zur Förderkulisse finden Sie auf der Seite des Umweltministeriums. Für die Bewilligung, Auszahlung und Abrechnung der Zuwendungen ist die Untere Naturschutzbehörde zuständig. Kontaktieren Sie hierzu das Landratsamt Ihres Landkreises.

Weiterführende Informationen

Generelle Hinweise, Grundschutzvorgaben und empfohlener Schutz finden Sie auf dem Webauftritt des Umweltministeriums

Die FVA hat detaillierte Empfehlungen zur Umsetzung erarbeitet. Sie finden Sie hier zum Download

Die deutschlandweiten Empfehlungen des Bundesamtes für Naturschutz zum Herdenschutz wurden in den BfN-​Skripten 530, 2019 veröffentlicht (PDF).

Film zum Aufbau von wolfsabweisenden Zäunen, teilweise mit Informationen aus unserem gemeinsamen Projekt mit AGRIDEA.

Auf der Seite des Dokumentations- und Beratungszentrum Wolf finden Sie Aus­wer­tun­gen zu Nutz­tier­ris­sen in ganz Deutsch­land.

VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik) und DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) haben gemeinsam mit bundesweiten Fachpersonen eine sehr praktische Anleitung zur Umsetzung von wolfsabweisenden Zäunen erarbeitet.

Das Projekt LIFE EuroLargeCarnivores, bei dem auch die FVA mitwirkt, hat auf seiner Homepage viele Praxisbeispiele für Herdenschutz gesammelt. Erfahrungen, besonders für den Herdenschutz im Alpenraum, wurden in einer umfassenden Broschüre gesammelt. Es konnten auch einige Beispiele aus Baden-Württemberg Einzug finden.

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